Die römische Gladiatur im Experiment

Wie kein anderer Bereich prägt der Sektor der öffentlichen Unterhaltung die moderne Rezeption der Antike: Das Buhlen um die Gunst der Masse in Form von Brot und Spielen wird de facto synonym mit der Öffentlichkeitsarbeit etlicher Kaiser des Imperium Romanum gebraucht. Vor allem das Medium Film hat dazu beigetragen, dass es nahezu als selbstverständlich angesehen wird, dass blutige Schauspiele in den Arenen des römischen Reiches aus Gründen des public entertainment abgehalten wurden. Gerade das Genre des „Sandalenfilmes“ trägt großen Anteil daran, dass sich jene Abläufe als historische exempla in den Köpfen der Menschen festgesetzt haben. Das dadurch generierte Bild einer Pseudo-Vergangenheit steht zum Teil im diametralen Widerspruch zu den Erkenntnissen, welche im Rahmen altertumswissenschaftlicher Forschung erarbeitet wurden.

Um einen Einblick in die realen Bedingungen dieses Bestandteils römischen Lebens zu erhalten, wird am Lehrstuhl für Alte Geschichte in Zusammenarbeit mit dem Sportzentrum der Universität Regensburg und in Kooperation mit fachspezifischen Institutionen der Universitäten Passau und Graz ein experimental-archäologisches Forschungsprojekt zum Wesen der römischen Gladiatur initiiert. Althistoriker, Archäologen und Sportwissenschaftler kombinieren im Rahmen dieses Vorhabens Aspekte des dinglichen Befundes und der literarischen Zeugnisse mit den modernen Herangehensweisen der Trainingslehre und der Ernährungswissenschaft, um auf diese Weise ein realitätsbezogenes Bild römischer Gladiatoren zu zeichnen.