Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre (Empirische Makroökonomie und Regionalökonomie)

Die Regional- und Stadtökonomie befasst sich mit den vielfältigen Aspekten, die sich durch die Einbeziehung des Raumes in die ökonomische Analyse ergeben. Hierbei geht es um die Auswirkung von Entfernung und Transportkosten auf die Entscheidungen von Firmen und Haushalten ebenso wie um Standortkonkurrenz und die ökonomische Entwicklung von Regionen.

Fachbeschreibung Regionalökonomie

Der Ansatz 

In der ökonomischen Standardtheorie ist eine Wirtschaft ein punktförmiges Gebilde, in dem keine Transport- und sonstige Transaktionskosten anfallen. Die Raumdimension der Ökonomie wird vernachlässigt. In der Regionalökonomie wird diese unrealistische Annahme aufgehoben. Es zeigt sich, dass sich durch die Einbeziehung des geographischen Raumes in die Analyse ökonomischen Verhaltens eine Vielzahl neuer Fragestellungen ergibt.

Zur Geschichte

Ausgehend von frühen Wegbereitern wie von Thünen, Launhardt, Weber, Hotelling, Christaller und Lösch hat sich die Regionalökonomie als eigenständige Disziplin der Wirtschaftswissenschaft erst nach dem Zweiten Weltkrieg fest etabliert. In den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts sind wesentliche Fortschritte in der ökonomischen Analyse räumlicher Interaktion und regionaler Entwicklung erreicht worden. Nachdem in den siebziger und achtziger Jahren die Entwicklung mehr oder weniger stagnierte, hat die die Disziplin seit Beginn der neunziger Jahre mit der "New Economic Geopgraphy" neue Impulse bekommen. Insbesondere die Arbeiten von Krugman, Venables und Fujita haben zu einem weiteren Auftrieb geführt. Bezüge zu anderen Teilgebieten der Ökonomie

Die Regionalökonomie weist enge Bezüge zu anderen Teilgebieten der ökonomischen Theorie auf. So existiert eine enge Verwandtschaft zwischen der räumlichen Preistheorie und der Industrieökonomik. Die Entwicklungsdynamik von regionalen Agglomerationszentren wird zunehmend mit Ansätzen aus der Neuen Wachstumstheorie behandelt und die Analyse der Standortkonkurrenz zwischen Regionen greift auf Konzepte zurück, die in der Außenwirtschaftstheorie und der modernen Makroökonomie eine Rolle spielen.

Die moderne Regionalökonomie hat aber auch eine Reihe von ganz eigenen Ansätzen entwickelt. Die Analyse räumlicher Interaktion stützt sich z.B. auf Gravitations- und Entropiemodelle, die es gestatten, Austauschprozesse im Raum abzubilden.  In neuerer Zeit kommen Ansätze hinzu, die im Rahmen der sogenannten Neuen Regionalökonomie von Paul Krugman und anderen propagiert werden. Hierbei geht es um die Theorie der räumlichen Entwicklung, in der durch das Zusammenspiel von steigenden Skalenerträgen aufgrund von Agglomerationsvorteilen, Transportkosten und Externalitäten der Marktgröße eine Vielzahl interessanter dynamischer Phänomene entstehen. Diese Theorie lässt sich sowohl zur Erklärung der Herausbildung industrieller Kerne als auch zur Beschreibung der Determinanten regionaler Wettbewerbsfähigkeit verwenden. Ebenso sind Effekte, die im Zusammenhang mit der Osterweiterung der EU zu erwarten sind, mit diesen Ansätzen gut zu analysieren.